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essays - by René Desor (literarisches Ananym von Andreas Roseneder)

titelübersicht (links):

termdata - anlässlich der Ausstellung von Herwig Zens "Von Tag zu Tag"
Seid ein Gespräch
Zizou  &  9/11
Camouflage oder Miezart
Gen Grenzen!
Wie ich landete


termdata

Herwig Zens: Tagebuch soll das jetzt eine gefälligkeit mir selber gegenüber sein, den ganzen traumeswust zu notieren, wie Ich mir dies schon gestern abend vorgenommen habe, um mir vielleicht mit diesem trick auf die gedanklichen beine zu helfen frühmorgens im halbschlaf oder ist das ein intellektuelles präjudiz, ein bisschen pfeffer in die allzu schale suppe des literarischen tagestellers zu bringen  angesicht der ideenstagnation der letzten tage, aber wo nichts drin ist, ist auch nichts rauszuholen, das zeigt ja schon der morgentliche traumabfall aus der vergangenheit, ein haufen an gerümpel und klumpert aus einem vergangenheitsleben, bestenfalls aus einem mitvergangenheitsleben, wenn da mal ein bekanntes gesicht aus dem geträumten müllberg auftaucht & vielleicht auch noch dazu grinst wie ein angeschleimtes monster aus irgendeinem amerikanischen fantasyhorrorfilm, dass einem angst & bange wird vor einem selber, weil man sich so eine grauslichkeit selber ja gar nicht vorstellen könnte. aber wenn´s mir kommt, dann muss es ja meinem vorstellungsvermögen entspringen, von mir nix dir nix kommt einem so was nicht in die vorstellungswelt!

am besten alles mit einem häferl kräftigen kaffee hinwegspülen und die horrorvorstellung auf ground zero bringen.
da sind die notizen tagsüber auf besserer grundlage gebaut, wenn man schon leicht ins schwitzen gekommen ist, am besten möglichst in das kleine schwarze notzbüchlein hinein, moleskine genannt, „das kleine schwarze“, trägt frau zu besonderen anlässen, falls sie sich ihres körpers bewusst ist & ihn mit sich selber zufrieden  zur schau stellen will. ihr teint sollte leicht bronze angehaucht sein, um so unverschämt viel haut wie möglich zeigen zu können ohne gleich die bildliche persiflage eines weissen dalmatiners in begleitung eines kleinen schwarzen pudels abzugeben:
 
also nach einem aufenthalt am meer oder am besten gleich am urlaubsort selber nach ein paar tagen am strand an der theke irgendeiner „Hemingway-Bar“ in der örtlichen fashion-mall. die „Hermann-Bar“ zu hause wird dabei nur mehr als reminiszenz notiert und mit schmählicher kritik bedacht, denn bekanntlich fällt aus der distanz es einem erheblich leichter, dem barkeeper stante pede aufs gesicht zuzusagen, dass er ein trottel sei.
hat frau ja eingesteckt!
„trifft ins schwarze“.

womöglich geschult durch „zen oder die kunst des bogenschießens“  oder gar tatsächliche ausübung mit einem hunnen-bogen auf tierattrappen bei einem schiessturnier versucht man danach an der weidmännisch mit krickerln aufgeputzten budel mit gelassenheit, gespannter  konzentration und virtueller vereinigung mit dem ziel, dem schwarzen eben, die essenz der zuvor goutierten flasche weines zu beschreiben. -  dabei entdeckt ER vielleicht, dass das eigentlich schwarze ziel in rot sich kleidet, dieses rot ihm das schwarze sozusagen vorgegauklt und die farbe des weines gar nichts damit zu tun hätte –  was  ihm natürlich sofort notierenswert erscheint.
- und wie tut es doch gut, noch  im abgang des tropfens den gedanken an den letzten gemeinsamen urlaubsaufenthalt am meer, die geschmackliche nuance zwischen vongoli e dondoli, - und jetzt dieses geschmackserlebnis von lingual schon goutierten  auf verbalen punkt zu bringen?
  - G vielleicht -
 ganz nebenbei könnte man auch noch ins büchl loswerden, dass diese mystifizierung des doch so einfach profanen tötungsgedankens einem furchtbar auf die eier gehe und man jetzt am liebsten an der schiessübung irgendeiner wehrsportgruppe teilnehmen wollte, paint ball im forstlichen gelände, das wär jetzt kreativ & ideal erbauend für das männlich kindliche gemüt!
 hat man ja eingesteckt!
„ trifft ins schwarze“.
 – na ja : „träfe ins schwarze.“, sag ma mal.
 wehe, man trifft auf ein falsifikat, ein „brunnen“-exemplar zum beispiel, das gleich gekleidet wie ein „moleskine“ einen zum schreiben verführen möchte, - dieses könnte vergiftet sein und unweigerlich man/frau in die schwarzen tiefen ihres sich ineinander verschränkenden  unterbewusstseins stürzen lassen und daran hindern, noch irgendein testament für etwaige hinterbliebene zu hinterlassen.
 doch –
-  ein digitaler stern am horizont -  am besten glaubt es heutzutage der net-user zu haben, der mit laptop bestückt auf seinen virtuellen web- - wie denn dann auch tatsächlich körperlich nachgeholten fernreisen - die täglich festgehaltenen schriftlichen eindrücke sofort und überall mit eben geschossenem digitalem foto in seinen blog stellen kann, dabei auch sofort kommentare dazu von seinen freunden empfängt, die daheim in ihrem arbeitszimmer am schreibtisch sitzen, dem angestammten cockpit des bloggers, das Ich jetzt mal blogpit nennen möchte, ja diese schreiber stehen auf solche abkürzungen, wie auch blog sich von web-log zusammenkürzt, also dem logbuch des netsurfers. denn der blogpit  ist doch irgendwie  ein erweiterter schreibtisch,klassisch gesehen.
  
bodenständig würde man „ständig auf draht“ dazu sagen.
jene avantgardistischen laptop-anarchisten versteh ich sowieso nicht, das sind wohl  die leute, die in meiner kindheit ihre stamm- und tagebücher mit schlüsseln abgesperrt haben. die hab ich schon damals nicht verstanden. obwohl Ich sie beneidet habe. um den schlüssel natürlich. so wie jetzt um den laptop.
 
soviel Ich weiß, sind viele der tagebücher auf irgendwelchen dachböden verschwunden, und wenn sie dann mal unvermutet auftauchten, war kein schlüssel dran. Irgendwann entdeckte man in der werkstatt im keller verschiedenste schachteln mit so genannten kleinteilen: schrauben, nägel und eine unmenge an schlüsseln in jeder form und größe, einige wohl noch aus urgrossvaters zeit, von denen natürlich keiner passte. blieb nur noch die beissende gewalt der zange. – und  die ganze mühe für ein paar abstruse gedankengänge wie:  „heute hat mich Karl das erste mal angelacht. endlich! - wenn der wüsste, dass Michael mich schon seit einer woche anlacht, was würde er dazu sagen?“

für mich als schreibenden war es immer die schreibunterlage, die das eigentlich tragende an der „schreibsache“ bildete. – schreibtisch, küchentisch, schultisch, kommodenvorsprung – egal – eine horizontale unterlage, um meine gedanken -  wenn auch nur in reduzierter form -  hinkritzeln, aufschreiben, zeichnen – eben auf- zeichnen zu können . – und wo Ich sie auch auch stehen bleiben wusste. öffentlich. unversperrt. im notfall auch direkt in die holzplatte eines heurigentisches gekerbt oder in die marmorplatte eines  kaffeehaustisches geritzt, möglichst der maserung des holzes oder irgendeiner ader des steines folgend. – vielleicht findet sich ein musiker, der eine partitur ´rausliest?

und so ähnlich ergeht es mir jetzt mit diesem „kasten“, dem computer. den muss man zwar per knopfdruck „an- & zumachen“, aber man weiß, dass die eingetippte nachricht über den eigenen weblog im net  gefangen, aber nicht verschlossen ist.
den laptop muss man auch nur „auf- und zuklappen“, aber trotzdem verhält es sich wie mit dem schlüssel damals: die insignie der herrschaft über auf und zu,  an und ab gibt dem ganzen, das da drinnen stehen mag,  ein gewisses gewicht an bedeutung. - womöglich mit elektronischen verschlüsselungen wie pin-codes.

aber letztlich finden sich aber dann auch nur gedanken darin.
warum diese wohl nicht von haus aus öffentlich sein konnten? Ich denke der blogpit-captain selber will ja von haus aus im geheimen bleiben, auch wenn er mit seiner botschaft gleich rausrückt.  man selber weiß ja nie, wer die maschine ins bermuda-dreieck fliegt, auch wenn der captain per durchsage die passagiere zu beruhigen versucht, dass „das bermuda-dreieck bloß eine viel zitierte mär seit seefahrerzeiten“ sei. da kann sich dann jeder seine eigenen gedanken dazu machen und der geschichte noch was dranhängen aus seinem eigenen verständnis.
was man vom laptop-user ja nicht unbedingt sagen kann.
der zeigt einem auch im traditionellen Wiener kaffeehaus mit klassischer tageszeitungsverschleißstelle die neuesten anflugschneisen auf Singapur. inklusive gps-grafik selbstverständlich. das haut einen natürlich im ersten moment um. aber irgendwie kann man dann doch nichts dazu sagen. Singapur ist halt ein bisschen weit weg. -  zumindest im augenblick von Mattersburg aus gesehen.

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SEID EIN GESPRÄCH

 „vor dem anschlag meiner zunge zur sprache kam mir der stift abhanden & im vor- & nach-denken dessen, was Ich ausdrücken wollte, stockte mein atem: Ich sah form, farbe: im lichte offenbart: Ich traf erzengel Michael, Gabriel & Raphael in bildnis-biblischer 3einigkeit, die mir davon kündeten, wovon erzengel Anael mir schon zuvor zeugnis abgegeben hatte:
zeige allseitig offen präsenz dafür, dass wir, die wir uns homo sapiens benennen
im verzehren unserer leiblichen geistigen & seelischen energie GOTT gegenwärtigen
seitdem hüte Ich meine zunge & pflege den augenaufschlag.“

 dieses gelöbnis, das zugleich ein gelübde zu beinhalten scheint, notierte Ich vor einigen jahren in mein notizbüchlein & habe mich eigentlich unbewußt bis dato daran gehalten, aber wie das leben so spielt, ändern sich des öfteren die vorgesetzten spielregeln ohne eigenes zutun & auch bei bemühtem studium des gesellschaftlichen umfeldes fällt es einem oft schwer festzustellen, woher nun diese neuen regelungen kämen: aber gerade in theologischen fragen entstehen im volke oft strömungen, deren ursprünge im vagen liegen, was glaubensfragen ja eigentlich immer so an sich haben, sonst wären sie ja gar nicht ebensolche.

 als Ich in noch bevorzugt in städten wohnte, besuchte ich kirchen, weil man nun mal in der Frauenkirche in München vorbeischaun oder in den Kölner dom oder den heiligen Christophorus als fresco am Augsburger dom oder die turmruine der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Kufürstendamm anschaun & gesehen haben musste. & eine reise wurde oft in ihrer route von kirchen bestimmt, egal ob nun die kathetrale in Chartres, Le Corbusiers werk in Rochamp, St. Patrick´s Cathedral in New York, die Haghia Sophia in Istanbul, Mariamana in Ephesus bei Selçuk standen oder das ende des Jakobsweges in Santiago de Compostela war.  mich zog auch nicht die architektur oder der gottesdienst dorthin, sondern das geistige selbstverständnis, das sich nun mal über jahrtausende in form von gotteshäusern manifestiert hatte & dessen entstehungs- & wirkungsgeschichte mich interessierte.
 als Ich dann unsanft auf dem lande landete, da mied Ich die kirchen, denn dort war für mich immer eine gewisse verdichtung von klüngel der katholischen ortsbewohner konzentriert zugegen, mit der anscheinend noch landläufigen meinung „unterm krummstab ist gut leben“. Ich betrat nur die oft an kirchen angrenzenden friedhöfe aus gesellschaftspolitischem interesse & studierte aus gewisser distanz die unterschiedlichen türme dieser ländlichen kirchen, machte mir von der ferne notizen vom einfluss der landschaft & des klimas auf deren erscheinungsform & traute mich nur mehr hinein, wenn Ich eingeladen wurde, als bildender künstler den volksaltar & den ambo samt chorgestühl zu entwerfen & bildzuhauern, wenn das ölgemälde des heiligen Nikolaus aus dem 19. jahrhundert über dem nebenaltar von russ & vogelscheisse zu reinigen war oder um den zuständigen bischof um erlass der sogenannten kirchensteuer anzubetteln & ihm im gegenzug dafür ein bildnis des von der katholischen lehre ziemlich vernachlässigten erzengel Anael für eine geplante diözesanausstellung anzubieten: was Ich dann danach jedes mal zutiefst bedauerte, denn irgendwie hatte Ich mit den bekanntschaften, die Ich dabei machte,  kein gutes händchen, & das fing wohl damit an, dass Ich angesichts des bischofs nicht wusste, ob da jetzt „hochwürden“, „exzellenz“, „bischöfliche gnaden“ oder sonst was als anrede anstünde, ob man den berühmt-berüchtigten bischöflichen ring küssen müsste, wie Ich schon oft gehört & einmal gesehen hatte oder vielleicht gar in die knie gehen sollte. stattdessen kam Ich diesen würdenträgern gleich immer mit einem geistigen geschenk entgegen, zündete diskussionen über die kaballa, die liturgie, Maria oder die sieben erzengel an & freute mich wie Gabriel nach der verkündigung, wenn Ich ein verhaltenes: „Ich habe die botschaft verstanden“ erhielt. leider war Ich zumeist ein schlechter botschafter, denn der eine bischof wurde kurz nach der feierlichen einweihung meines altartisches wegen zu wenig verhaltenheit in sexuellen belangen in ein kloster gesteckt, wo er sich seinem gott in die hände warf & der andere wurde bald nach meinem gespräch mit ihm schwer krank & sagte ein weiteres geplantes treffen mit anderen künstlerkollegen ab.
 seitdem spreche Ich meinem altar & meinem bildnis des erzengels anael gewisse kräfte nicht nach aber auch nicht ab & versuche, solche treffen zu meiden. – wozu eigentlich auch gar kein anlass mehr besteht, da Ich mir selber in meiner bildnerischen  arbeit klerikal interpretierbare annäherungsversuche verbiete.

 da jetzt vor kurzem der heilige vater, seine heiligkeit, der papst Benedikt XVI unsere lande besucht hat, wurden diese meine begegnungen mit dem höheren klerus in meinem vom katholizismus gereinigt geglaubtem bewusstsein virulent, wie denn dann auch das gedächtnis an mein gelöbnis mit eingeschlossenem gelübde, das Ich da anscheinend zu voreilig ein paar jahre zuvor wie ein unverrückbares postulat  abgegeben hatte, unweigerlich auferstanden war: irgendwie war auch kein entkommen mehr, die mediale präsenz steigerte sich bis zu einem „jetzt sind wir papst“ in anspielung auf die bekannte schlagzeilen-prägnanz der presse der  bundesdeutschen nachbarn, was für mich schon einen arroganten anklang zur verbrüderung intonierte.
 einfach penetrant.
 aber was solls, dachte Ich, die bajuwaren sind uns ja doch ziemlich nahe & das nicht nur von der geographie her, das geht ja teilweise bis zur blutsbrüderschaft auf gemeinsamem boden,  der bruder von seiner eminenz, „unserem“ kardinal hat ja auch schon  fotos von meinen bildern in München mit seiner haselblad geschossen & der andere bruder von ihm, den seh Ich ja auch des öfteren im bayerischen oder österreichischen fernsehen & letztes jahr hat er selber bei einer stippvisite in unserem wohnort meinem sohn die hand gegeben & ihm dabei die frage nach seinem namen gestellt. -     gottseidank hat mein sohn darauf nicht „Jan Christoph“ geantwortet, sondern bloss „Jan“, sonst hätte seine eminenz vielleicht gar „na siehst du, Christoph - so heiß ich auch!“  geantwortet & mein sohn wäre baff gewesen, dass der mit dem roten gewand  vor der Nikolauskirche nicht auch noch „Nikolaus“  hieße, auch wenn er bart, mitra & krummstab zuhause vergessen hatte & stattdessen bloss eine brille trug.
 wie ein kleines kind freute sich ein bayer, der vor dem wiener stephansplatz, dahinter weiss-blau-gerautet beflaggt & vom regen durchnässt ins mikrophon raunte: „jetzt ist auch noch der himmel weiss-blau geworden, was wolln mir mehr?“
 eigentlich wollte Ich nicht von himmel & hölle in kirchlichem sinne hier auf erden sprechen, sondern mit beiden beinen fest am boden bleiben, aber die ganze euphorie über diesen zweifachen nachbarschaftsbesuch aus Italien wie auch aus Deutschland in einer person vereint schwingt noch jetzt im schreiben mit. wenn man nun noch dazu den Vatikan als eigenes staatsgebilde ansehe, was einem die Bayern zum beispiel auch nicht allzu schwer machen & die katholiken beim heiligen geiste unter den anderen beiden körperschaften doch auch akzeptieren, dann wären wir schon angekommen bei der dreifaltigen union, die uns nach wie vor sonntäglich gepredigt wird, wenn auch noch nicht in lateinischer sprache, derer wir uns wohlweislich ersinnen oder ermächtigen sollten, wenn wir in zukunft ihre botschaften verstehen wollen. Ich hoffe nur, dass dabei modern times mitspielt & es uns bei der elektronischen verkabelung der informationsgesellschaft gelingt, einen solchen lapsus (oder: casus?) wie bei der ansprache des papstes zu vermeiden, in der er in folgendem satze durch den ausfall des mikrophons unterbrochen wurde: „…schon vor der erschaffung der welt hat gott uns……“
 tja, da bleibt nun einiges an erklärungsbedarf offen, was er vorher mit uns getrieben hat. & es wäre eigentlich ganz dringlich, einsicht in diese information zu bekommen, wo wir doch gerade dabei sind, uns der erde als erlebbare welt zu entledigen. aber offensichtlich bedienen sich die agenten der glaubenskongregation inquisatorischer praktiken innerhalb der informationsgesellschaft, um eine mögliche offenbarung zur rettung der welt zu verhindern & machen selbst vor einem ex-präfekten als papst nicht halt.

 zu guter letzt noch ein spruch fürs imaginäre repetitorium, über dem eingangstor zu einem dorffriedhof in einen steinbogen zwischen zwei knochenschädel gemeisselt:
Die Engel in Himmelreich wundern sich über das Erdreich, weil sie bauen Häuszer so Fest und sind darinn nur fremde Gäst; wo sie werden Ewig sein dort Bauen sie gar wenig drein.  R.V.
 habent sua fata gnomen

friedhofsbesuche lehren über die wurzeln des gesellschaftspolitischen lebens des jeweiligen ortes hinaus…

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CAMOUFLAGE ODER MIEZART

Erklärungen abgeben.
Man ist als denkender kreativer Mensch die ganze Zeit damit beschäftigt, Klärungen zu finden, für sich SELBER & im überlegten Umgang mit seinen Mitmenschen & wird dennoch immer wieder aufgefordert, seine daraus resultierende Arbeit zu er-klären. – Als wäre das allgemeine Chaos alleine nicht schon erklärungsbedürftig genug, nein – da schafft man sich die eigene Chaosordnung, - ein Unwort - & meistens eine ganz persönliche Mythologie, die sich aus dem Subjektiven erheben & von anderen erst als objektiver Tatbestand erobert werden will. Eine erklärungsbedürftige Arbeit jedoch ist schon wieder uninteressant für den kreativen Künstler. Denn bekanntlich ist Heimat ja da, wo man verstanden wird.

Also arbeitet der Künstler zumeist im Heimatlosen.
Der Schriftsteller werkt in seiner Heimat „Textraum“, er versucht Wortkonstrukte zum Leben zu erwecken im ANDEREN.
Klärung für sich SELBER: Wir blicken in den Spiegel und sehen zuallererst unser Gesicht, das unser ICH zeitigt, in dem sich unser SELBST spiegelt. Konsequenterweise hätte ich unser SELBST seitenverkehrt drucken lassen müssen, um es seitenrichtig im ICH-Spiegel sehen zu können. Aber es könnte ja sein, dass im Zuge der Arbeit, at work in progress, etwas nicht stimmt mit meinem SELBST. Also, was will mir diese Irritation sagen?
Hat mein ICH vielleicht keine Übereinstimmung mit meinem SELBST?
Hat sich etwas verSELBSTändigt? Hat sich etwas von SELBER ergeben?

AUF DEN ERSTEN BLICK: Die Tarnung dieser Aussage der sofortigen Aufdeckung hinter einer zufälligen Druckrasterung von Wörtern aus der Festplatte eines Computers setzt sie zeitlich diametral zur Erkennung ihrer Bedeutung. Wenige werden diese Zeile AUF DEN ERSTEN BLICK in ihrer gemeinten Weise entschlüsseln. In ähnlicher Art gepixelt trage ich die Camouflage-Jacke eines Offiziers der US-Army an meinem Leib. In welcher virtuellen Landschaft kann ich mich damit verstecken? Bin ich jetzt über militärische Satellitenaufnahmen vom „friendly fire“ der Amerikaner ausgeschlossen?
Die Textfetzen dieser Rauminstallation stammen übrigens aus den Manuskripten „Schleifen am Kalkstein“ vom Journalisten Beat Schweizer & „OUT(back)“ von René Desor aus der Lesesammlung GAMMA GT.
Die gepixelten Textausdrucke hat die Katze Mimi durch einen Sprung auf den laufenden Drucker ausgelöst. Cicero, der die Texte auf die Folie gebracht hat, meinte, das wäre jetzt wohl Miezart. Zum Dank an meine Katze sollte ich es wohl Mimiart taufen.

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GEN GRENZEN !

Ein Plädoyer für die Art des Schriftstellers  oder:  Ist Schreiben Krieg gegen sich selbst?

 


<Grenzwerte>

 unterschieden unterschiedlich Gangarten

>Gängelungsweisen<  
geschoppt genossen Gänseleber

„Gänsefüßchen“
programmiert Scheitern an der Anführung

/Zoll am eigenen Maß/ 
Subjektive Verunsicherung durch objektive Sicherheitssysteme zum Prinzip, gar zur Berechtigung  der eigenen Existenz erhoben

?WortWaffe!

 Der Maghreb ist ein heiliger Vogel. Sein Leib ist Algerien, sein rechter Flügel Tunesien, sein linker Marokko. Der Maschrek ist ein weltlicher Vogel.  Sein Leib ist Israel, Libanon, Jordanien, sein rechter Flügel Iran & Irak, sein linker Ägypten. Dem Maghreb sollte der Untergang beschieden sein, dem Maschrek der Aufgang; zumindest was den Lauf der Sonne von der Erde aus gesehen anbelangt. Aber da das Heilige verweltlicht & damit das Weltliche entheiligt wurde, liegt zurzeit der Maschrek danieder. & der Maghreb steht als Pfau unbeteiligt daneben & wartet, dass  sich dieser als Phönix aus der Asche erhebe.

Wir haben begonnen, von den Himmelsrichtungen aus Grenzen zu ziehen: & wenn nicht in der Sprache, dann mit ihren Bezeichnungen: denn begonnen hat alles mit Bildern, die wir besprachen: & das Wort ist Fleisch geworden, wenn wir uns ein Bildnis gemacht & es beschrieben.

„Ein heiliger Krieg.“ „Achse des Bösen.“ „Satanische Verse.“ „nine/eleven.“

 Ich ziehe jetzt keine Grenze.
Aber ich existiere  auf der anderen Seite, dennichgehöre wohl zu jenen 90 Prozent Österreichern, die Thomas Bernhard einmal in einem Interview als geisteskrank bezeichnet hat oder gar zu jenen 99 Prozent der Weltbevölkerung, die Peter Handke erst kürzlich total krank nannte.Die restlichen 10 oder 1 Prozent spielen sich wohl über die Medien gesund, da zählt aber auch Herr Handke dazu, auch wenn ich seine Worte verwende, denke ich: die interessieren mich nichtmehr, & dennoch verkralle ich mich in diese Geistesausscheidungen, da ich noch immer das Gewicht der Welt  auf dem Buckel trage.
 - Eine Erregung? -  An den „alten Meistern“?
 Wer konnte die Scham nachvollziehen, die in mir hochstieg, als meine Französischprofessorin mir vor dreißig Jahren das Gewicht von den Schultern hob, indem sie das von mir im Französisch-Unterricht unter dem Pult geschmökerte Buch konfiszierte?, wer konnte die Verbalattacke meiner Mutter nach Lektüre Wunschloses Unglück abwehren? Hatte ich vielleicht einen Krieg gegen die Weiblichkeit angezettelt?
 - Es ist einigermaßen vermessen, jetzt mit dem Schlachtfeld „ICH“ gegen „UMWELT“ im verzogenen Maßstab gegen öffentliche Schauplätze wie Iran oder Kongo im Rücken das Wort Krieg  leichtfertig zu verwenden. Aber die Scheu, es nicht zu tun, wäre ein Kapitulieren vor der maßlosen Überheblichkeit des Menschen durch, mit & in seiner Gewalt.
 Warum nahm Peter Handke am Begräbnis von Milosevic teil?
 - Das Gewicht der Welt fiel mir dabei zurück auf den Buckel. Bis ich selber vor kurzem bei einem Verwandtschaftsbegräbnis in Deutschprodersdorf neben dem Grabstein eines Soldaten mit frisch eingehauenen, neu  versilberten SS - Runen vor dem Wort Rottenführer stand & der nachfolgenden Einladung ins Gasthaus gleichen Namens wie der Gefallene zum Leichenschmaus folgte, nachdem der eben Beerdigte in der Grabesrede eines Kameraden sich mit Rommel persönlich in Ägypten hinter einen Felsvorsprung vor Artilleriefeuer geduckt hatte. - Hätte ich nicht teilnehmen sollen oder ist dies nun die blasierte Rechtfertigung eines Provinzlers, der 1999 auf Sardinien im McKinsey – Ressort am Strand bei Hummer & Titanic-Show neben  Armani-Outfits die Bomber-Starts der NATO gegen Serbien beobachtete, am liebsten geschrieen hätte, dann nachmittags mit den Frauen der gehobenen Managerklasse Hibiskusblüten aquarellieren gegangen ist, um am Abend das 21. Jahrhundert mit einem Bombenfeuerwerk am Strand Europa kriegsfrei herbeizusehnen?
 Kürzlich hat Günter Grass seine autobiografische Zwiebel entschält & nach Jahrzehnten die eben genannte Rune versilbert & Handke nennt dies „eine Schande für das Schriftstellertum“ & “die Sprache, mit der er das betreibt, völlig verfehlt. Bei ihm kommt nichts von innen.“
 Handke rechtfertigt sich, dass es die Sprache selbst gewesen sei, die ihn nach Pozarevac zu Milosevic´ Begräbnis getrieben hätte: „Verbreitern wir die Öffnung. Auf dass die Bresche nie wieder von schlimmen oder vergifteten Worten verstopft werde. Hinaus böse Geister.“ - Dass er  dies wohl auf das sich verbreiternde Europa gemünzt hat & dem „europäischen“ Künstler in seiner Verantwortung darin einen Spiegel vorgehalten hat, mag wohl klar sein. Aber warum zettelt er Krieg gegen seinen deutschen Kollegen an? - & WER wäre dieses Phantom in europäischer Sprache, das hier Kehraus machen könnte?
 Da in Krieg & Krankheit Träume den Umraum eines Betroffenen als sicheres Bollwerk gegen die Umwelt beschreiben können, haben die Ruinen des Krieges & der  Träume im Nachhinein, nach der Genesung des Überlebenden, nach wie vor einen gewissen wehrhaften Charakter in seinem Bewusstsein, auch wenn sie ihre Nützlichkeit in Sachen Abwehr des krankhaften Organismus gegen seine offenbar gesunde Umwelt bereits getan haben. - Wie die Chinesische oder Berliner Mauer steht das Relikt eines Kampfes der kranken gegen die gesunde Seite, wobei letztlich nie klar sein wird, welche Seite den Bau hervorgebracht hat. Aber der Bau steht.
 „Wenn ich Vater wäre“, schrieb Kierkegaard, “& eine Tochter hätte, die verführt würde, sie gäbe ich keineswegs auf; aber einen Sohn, der Journalist würde, ihn sähe ich für verloren an.“
 Der Geschlechterstreit spielte heute dabei wohl keine Rolle mehr, man könnte die Rollen vertauschen.
 Aber wir wissen nach wie vor oft nicht, wie uns geschieht. Lassen geschehen; hätten aber doch  unser Werkzeug mit uns, um davon Bericht zu erstatten jenseits der Demarkationslinie des Journalismus. Tun dies aber nicht, aus welchem Grund auch immer, & auch wenn dieser Zustandsbericht explizit von Zitaten aus der Journaille lebt: man verzeihe mir.

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ZIZOU  &  9/11

 Meine Kinderstube war immer die ganze Wohnung, obwohl meine Eltern eigens ein Zimmer für mich hergerichtet hatten, wohl um darin ihre eigenen versäumten Kinderträume auszuleben. Aber da sie selber die für sie vom Staat für mich geschnürten Sozialpakete nicht öffneten, schien mir diese Handlungsweise richtig, vor allem da mir die Tanten im Kindergarten predigten: Erziehung ist Lernen am Vorbild. Irgendwas von einem Pestalozzi hat Papa dann noch gefaselt, aber ich denke, Erwachsene reden immer ganz begeistert von irgendwelchen anderen, die ihnen taugen & dann sehen sie, dass das ganze im wirklichen Leben gar nicht so einfach ist & leiern nur mehr ihre angelernten Sätze runter.

 Bei der Fußballweltmeisterschaft hat der Papa immer so von einem Zinedine Zidane geschwärmt, einen „Ballkünstler“ hat er ihn bezeichnet, & das heißt was, denn der Papa sagt nicht so schnell zu jemandem „Künstler“. & meine Mama hat gesagt: “Das ist ein Mann!“ & sonst gar nichts, & das heißt auch was, denn die sagt sonst mehr. Aber als dieser Zizou oder wie sie ihn nennen beim Endspiel einem italienischen Spieler mit dem Schädel gegen die Brust gestoßen hat, da hat die Mama plötzlich den Mund aufgemacht: „ Das geht ja nicht. Schade um ihn. Das haben ja so viele Menschen gesehen! Armer Zizou!“ Der Papa hat gar nichts gesagt, ich hab nur gesehen, dass er die Miene verzogen hat & gehört, dass er dann murmelte: „Wer weiß, was der Materazzi zu ihm gesagt hat…“
 Den Kopfstoß hat man dann die ganze Zeit im Fernsehen gesehen, immer wieder, am nächsten Tag waren die Zeitungen voll damit, unser Zizou war auf einmal berühmter als er eh schon war. Ich dachte mir: Meine Eltern hatten Recht, der Spieler ist ein Künstler, ein Mann, weil alle reden von ihm. Ich merkte aber, dass die Sache Papa nicht aus dem Kopf ging: Was hat der Gegenspieler zu ihm gesagt, nachdem er an seinem Trikot gezupft hatte? - & alle Zeitungsreporter & Sportmoderatoren im Fernsehen rätselten mit. Einen Terroristen habe er ihn geschimpft, hörte man, weil alle, von denen man nichts weiß, bezeichnet man als Terroristen, auch wenn ich in einem Film immer gleich sehe, wer die Terroristen sind & wer die Polizisten. War dann unser Zizou ein Polizist? – Geil, nicht nur ein Künstler, ein Mann, auch ein Polizist!  Als eine Hure habe Materazzi seine Schwester bezeichnet, hörte man dann, ich musste Papa fragen was denn eine Hure sei, und er sagte: „Eine Frau, die alle Männer haben kann!“ – Pfau, der hat auch noch eine Schwester, auf die alle Männer fliegen! Zinedine Zidane wurde immer größer in meiner Achtung, vielleicht war der so was, was sie in der Kirche immer als Gott  bezeichnen, aber den sieht man ja nie, & der ist ja kein Terrorist, das ist ja der Ober-Polizist. & der kann alle bestrafen, ohne dass er sagt warum & das hat unser Zouzou ja auch getan!

 Irgendwie kannte ich mich nicht mehr aus.

 Dann war unser Zizou lange raus aus dem Fernsehen, die Weltmeisterschaft war ja auch vorbei, & ich dachte mir diesen Zizou gibt’s ja gar nicht wirklich wie den lieben Gott, eben nur im Fernsehen & die Erwachsenen reden halt drüber, weil sie immer über das reden, was sie im Fernsehen hören & sehen. Das muss ja wichtig sein! Aber Pausen sind auch wichtig, sagt immer der Papa, vor allem wenn man älter wird, auch in einem Theaterstück gibt’s Pausen, dass die Leute etwas trinken gehen können & dann aufs Klo. Aber ich hab oft was trinken & aufs Klo gehen müssen, bis ich nach langer Zeit hörte, dass dieser Materazzi gesagt haben soll, die Schwester von Zizou wäre ihm lieber als sein Trikot! – Deswegen haben sich alle so aufgeregt?! – Ich hätte zwar lieber das Trikot gehabt, aber der Papa ist  in meiner Achtung gestiegen, der hat alles schon vorher gewusst, weil er hat ja gesagt, dass alle Männer auf Zizous Schwerster fliegen.

 Irgendwie bringt das Fernsehen ganz schön viel Unordnung in das Leben von den Erwachsenen, weil sie immer alles nachmachen oder nachreden müssen, was ihnen dort vorgezeigt oder vorgeredet wird. Damit bringen sie auch eine furchtbare Unordnung in mein Leben, weil ich kann nicht alles sehen & hören, was so im Fernsehen gezeigt & gesagt wird, da ich früher ins Bett gehe.

 Gestern haben sie den ganzen Tag die zwei Flugzeuge gezeigt, die da in zwei Wolkenkratzer geflogen sind, Mama sagt, das sei in Amerika gewesen & ich noch ganz klein, als das passierte, das waren Terroristen, daran könnte ich mich nicht erinnern. Natürlich kann ich mich daran erinnern! & wie!, die ganze Zeit hab ich das ja auch gesehen im Fernseher, aber die Mama hat dabei immer gesagt, das sei nur ein Film, das gibt es nicht wirklich. Aber ich weiß ja, wer die Terroristen & wer die Polizisten im Film sind. Auch die Feuerwehrleute kenn ich.- & jetzt sagt sie, ich kann mich nicht daran erinnern, weil ich da noch zu klein gewesen sei. & im Fernsehen sagen sie auch, dass es die Terroristen wirklich gibt, dass man sie sucht & dass alle den Ober-Terroristen suchen sollen. Gestern hab ich auch vorm Billa einen stehen gesehen & hab die Mama gefragt wie denn der heißt. „Augustin“, hat sie gesagt. „Heißen denn alle Terroristen Augustin?“,  hab ich sie gefragt.

 Meine Mama packte mich unwirsch & hob mich in den leeren Einkaufswagen.

 Heute war ich mit Papa einkaufen, & da war auch so einer & der hat auch Zeitungen in der Hand gehalten. Da ist der Mond ganz silberweiß im hellblauen Himmel gehangen.
„Schau Papa, der Mond ist nur halb. Ist die andere Seite jetzt weg?“, fragte ich.
Mein Papa: „Nein, die ist noch da, dort ist jetzt nur Nacht so wie später auf der Erde. Auf dem Teil, den du siehst ist Tag so wie hier jetzt auf der Erde.“
„Aber da fällt man runter, wenn man dort geht.“
„Nein, der Mond hat eine Anziehungskraft wie die Erde. Sonst würden wir jetzt auch von der Erde fallen.“
„Wieso weißt du das?“
„Na ja, die Amerikaner waren schon oben & sind nicht heruntergefallen. Damals war ich so alt wie du jetzt.“
„Aber jetzt fliegen die Amerikaner mit Flugzeugen in Wolkenkratzer.“
Ich weiß nicht, was mein Papa überlegte.
„Sind alle Amerikaner Terroristen?“, fragte ich.
„Wer sagt das?“
„Dem Dani sein Opa.“

 Mein Papa packte mich unwirsch & hob mich in den leeren Einkaufswagen.

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WIE ICH  LANDETE

Ich habe die 60er- & 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts in den Kleinstädten Bruck an der Leitha & Eisenstadt verbracht, die 80er in den Großstädten Wien, Augsburg, Berlin, Madrid, Zürich, München & Prag gelebt; es waren sicherlich noch andere Großstädte auf meiner Route, die mich - gegensätzlich zu den "Landstrichen", die mich selber skizzierten -  bestimmten: denn Städte zogen mich an &  gaben mir dennoch Freiheit, mich zu entkleiden. - Bis zu dem Zeitpunkt auf einer Parkbank unter dem Monopteros im Englischen Garten in München, wo ich den Wunsch verspürte, "auf´s Land" zu ziehen: dies schloss in einem Strich Algarve, Allgäu, Andalusien & Pannonien mitein  - die romantisch verbrämte Sicht des Städters über die "natürliche" Landschaft inklusive.

Ich entschied mich für das Burgenland.

Das Dorf erschien in dieser Sicht nicht, genauso wenig seine Bewohner. In der Umsetzung des Wunsches war ich plötzlich mit ganz anderem konfrontiert als dem subjektiv "Eigenen", das mich "auf´s Land" getrieben hatte: Ich selber erschien als Eindringling in eine fixe Ordnung, das Rurale verdeckte die zur Observation bereiten Sonnenuntergangsstimmungen. Das Unverständnis meines Erscheinens erzeugte Spannungen unter der Bevölkerung: die Begeisterung der örtlichen Jugend für meine Offenheit z.B. machte mich zum "Gott am Bahnhof", & das, weil ich die youngsters vom elterlichen Christbaum oder der kirchlichen Mette in meine Bleibe am Bahnhof weggezogen hatte.

Ich entschied mich für das Dorf.

Ich lebe im Dorf, obwohl meine Abneigung, ungeschriebene Regeln an tradierten Verhaltensweisen einzuhalten, mich in der Sicht der Dorfbewohner an den Rand der Sozialisation schieben, um nicht zu sagen: zum Asozialen abzustempeln (man denke an die bekannte Figur des Gottfried Kumpf in Breitenbrunn). Hierarchisch abgesichert kann schon einem dies in der Person des Amtmannes unter Anwesenheit eines größeren Publikums auf den Wirtshaustisch geschleudert werden. Aber es waren ja die Sonnenauf- & -untergänge, die mich "auf´s Land“ gezogen hatten & da lebe ich nun mit einer gewachsenen Elefantenhaut wie mein Artgenosse auf einer Insel im Lake Malavi.

 

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